Erich Reusch

Erich Reusch – Erfinder der dezentralen Skulptur, Pionier der internationalen Gegenwartskunst

Der 2malige documenta-Macher und international einflussreiche Kunstkritiker Manfred Schneckenburger bezeichnete Erich Reusch als „Pionier im dezentralen Raum“. Bereits im Jahr 1957 entwickelte Reusch seine revolutionären minimalistischen Bodenplastiken: er thematisierte den Gravivationsbezug dezentraler Formen unabhängig von ihrem spezifischen Gewicht und der daraus resultierenden Bodenpressung. Damit löste er – Jahre vor Carl Andre, Donald Judd und Richard Serra – die Skulptur von einem Sockel und der damit verbundenen Vertikalorientierung. So wurde Reusch zu einem wegweisenden Künstler der internationalen Gegenwartskunst.

Erich Reusch : einer der bedeutendsten Bildhauer und Raumarchitekten der Nachkriegszeit

Den offenen Raum, der meist zum ungenutzten Zwischenraum zwischen zwei Nutzbauten degradiert wurde, verwandelte Reusch in eine Gesamtkomposition. Die dezentrale Skulptur ist nicht mehr nur eine autonome Plastik, sie lenkt die Aufmerksamkeit auf den Raum und transformiert ihn zum „erfüllten Spannungsfeld zwischen materiellen Objekten“. Die Skulptur wird zur begehbaren Raumerfahrung, die Horizontale zur bestimmenden Größe. Der Betrachter ist aufgefordert, die einzelnen Elemente der Raumskulptur zu umschreiten und seine Wahrnehmung zu verstärken.

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Bei seiner Arbeit auf dem Campus der Universität Mainz beispielsweise verwandeln riesige Kreuzstelen, Röhren und andere Objekte die Grünfläche in einen modulierten Raum, der geradezu als Bühne erlebt wird. Reuschs Arbeit auf dem Münchner Olympiagelände macht beim Abschreiten Raumbezüge und Raumstruktur erfahrbar. „Wichtig war für mich in erster Linie der Gravitationsbezug der Formen untereinander, nicht die Pressung durch das Gewicht auf den Boden.“ (Erich Reusch)

Als einer der ersten Künstler überhaupt entwickelte Reusch seine Skulpturen und Installationen als kinetische und akustische Gesamtkunstwerke, gestaltete seine Kunstwerke zur plastischen Aktivierung des Raums. Die Skulpturen von Erich Reusch befinden sich auf bedeutenden öffentlichen Plätzen und musealen Sammlungen in ganz Deutschland.

Innovative Interaktion mit Betrachter und Umwelt: Erich Reuschs elektrostatischen Objekte

In den 1960er und 1970er Jahren wurde Erich Reusch bekannt durch seine „‚elektrostatischen Objekte‘: Kinetische Kunstwerke in Plexiglaskästen, in deren Inneren sich besonders aktivierte Rußpartikel befinden und durch Wärme und Reibung an den Plexiglaskästen elektrostatisch aufgeladen werden. So lagern sich die Pigmentpartikel in Schichtungen, Verwischungen und Grautönen in Interaktion mit dem Betrachter ab. Der bekannte Schriftsteller und Publizist Georg Jappe schrieb: „Es gelingt Reusch mit diesen Werken, viel von der Atmosphäre des Kohlenpotts einzufangen“.

Vom Architekten zum Ehrenmitglied der Düsseldorfer Akademie

Erich Reusch studierte von 1947 bis 1953 an der Hochschule für Bildende Künste Berlin und war anschließend bis 1964 als Architekt in Düsseldorf tätig. Ab 1964 wandte sich Reusch zunehmend der Bildhauerei zu. 1975 wurde er zum Professor für „Integration Bildende Kunst und Architektur“ an der Kunstakademie Düsseldorf berufen, wo er 15 Jahre lang lehrte. 1977 beteiligte er sich mit einer großen Bodenplastik an der documenta 6 in Kassel. Im Jahr 2010 wurde Erich Reusch zum Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf ernannt.

Bis in die 90er-Jahre hinein schuf Erich Reusch große Außenskulpturen nicht nur im minimalistischen Beton und Stahl, sondern auch in leuchtenden Farben. Und seine abstrakten Gemälde, die bis dato auch im hohen Alter mit ungerbrochener Schaffenskraft malt, wirken in ihrer eklektisch wilden Mischung aus geometrischen Formen, Drippings und gestischem Farbauftrag absolut heutig und frisch.

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Preise/Auszeichnungen/awards

2001 Ida-Gerhardi-Preis
2006 Konrad-von-Soest-Preis des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe
2010 Ehrenmitglied der Kunstakademie Düsseldorf

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Museumsausstellungen

1966 Von der Heydt-Museum, Wuppertal
1972 Museum am Ostwall, Dortmund
1973 Kunsthalle Kiel
1976 Kunsthalle Düsseldorf
1977 documenta 6, Kassel
1986 Städtische Galerie Lüdenscheid
1987 Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl
1998 Kunstmuseum Bonn
1999 Synagoge Stommeln
2000 Städtische Galerie Lüdenscheid
2005 Kunstverein Lippstadt
2006 Wilhelm Lehmbruck Museum und Museum DKM, Duisburg
2006 Westfälisches Landesmuseum, Münster
2010 Museum Haus Ludwig, Saarlouis
2012 Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum
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Arbeiten in öffentlichen Sammlungen

Neue Nationalgalerie, Berlin
Kunstsammlungen der Ruhr-Universität Bochum
Kunstmuseum Bonn
Museum am Ostwall, Dortmund
Stiftung Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
Museum DKM, Duisburg
Museum Folkwang, Essen
Musée de Grenoble
Kunsthalle Kiel
Schloss Morsbroich, Leverkusen
Städtische Galerie Lüdenscheid
Skulpturenmuseum Glaskasten, Marl
Städtisches Museum Abteiberg, Mönchengladbach
Stiftung für Konkrete Kunst, Reutlingen
Staatsgalerie Stuttgart
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Skulpturen im öffentlichen Raum

Schloss Nordkirchen/Münsterland
Finanzamt Bochum Mitte
Forumsbrunnen. Campus der Ruhr-Universität Bochum
Skulpturenhof, Wilhelm Lehmbruck Museum, Duisburg
Schlosspark Haus Weitmar, Bochum
Ehrenhof der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, Bendlerblock, Berlin
Bundeswehrverwaltungszentrum München
Platzgestaltung. Rathaus Bochum
Burgplatz, Düsseldorf
Kunstlandschaft Campus, Johannes Gutenberg-Universität Mainz
Niedersächsische Staats- und Universitätsbibliothek Göttingen
Deutsche Rentenversicherung Westfalen, Münster
Villa am Wall, Neuenrade

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Werke auf Anfrage

Unikat-Skulpturen aus Corten-Stahl

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Elektrostatische Objekte

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Leinwandarbeiten

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Zeichnungen auf Papier

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Moderne Kunst in Dsseldorf